Menü und Suche

Persönlichkeitstafel für den Reformator Johannes Bugenhagen enthüllt

Braunschweig, 20. April 2017 Stadt Braunschweig, Pressestelle

Von links: Dieter Geiler, ehemaliger Präsident der Handwerkskammer, Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Karin Heidemann-Thien, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Braunschweig, und Michael Heinrich Schormann, Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Kirche St. Ulrici-Brüdern, bei der Enthüllung der Persönlichkeitstafel für den Reformator Johannes Bugenhagen. (Foto: Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen )
Von links: Dieter Geiler, ehemaliger Präsident der Handwerkskammer, Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Karin Heidemann-Thien, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Braunschweig, und Michael Heinrich Schormann, Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Kirche St. Ulrici-Brüdern, bei der Enthüllung der Persönlichkeitstafel für den Reformator Johannes Bugenhagen.
(Foto: Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen )

Oberbürgermeister Ulrich Markurth hat im Jubiläumsjahr der Reformation am Donnerstag, 20. April gemeinsam mit Karin Heidemann-Thien, der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Bürgerstiftung Braunschweig und Michael Heinrich Schormann, dem Vorsitzenden des Kirchenvorstandes der Kirche St. Ulrici-Brüdern eine Persönlichkeitstafel für den bedeutenden Reformator Johannes Bugenhagen enthüllt. Sie steht neben St. Ulrici-Brüdern, wo Bugenhagen einst predigte. Mit der von ihm erarbeiteten Kirchenordnung wurde 1528 die Reformation in Braunschweig offiziell eingeführt. Diese 47. Persönlichkeitstafel wurde über die Bürgerstiftung Braunschweig durch den ehemaligen Präsidenten der Handwerkskammer, Dieter Geiler, finanziert.

Oberbürgermeister Ulrich Markurth unterstrich die wichtige Rolle Bugenhagens für die Stadt: „Johannes Bugenhagen war neben Martin Luther und Philipp Melanchthon sicherlich einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Theologe der Reformation. Das Wirken Bugenhagens geht weit über Braunschweig hinaus: Seine Braunschweiger Kirchenordnung diente als Vorbild für das ganze Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel und andere Städte, wie Hamburg, Hildesheim oder Lübeck. Kin-der unterliegen heute der Schulpflicht, Jungen wie Mädchen - hierauf legte Bugenhagen großen Wert. Es ist für uns selbstverständlich, dass es für Menschen in Not eine Sozialhilfe gibt - all dies hat Bugenhagen mit seinen Ideen vorgedacht.“

Karin Heidemann-Thien erläuterte das Engagement der Bürgerstiftung für diese Persönlichkeitstafel: „Das Thema des Reformationsjubiläums in diesem Jahr dominiert den Veranstaltungskalender und wird in zahlreichen unterschiedlichen Beiträgen die Reformation als historisches Ereignis in den Fokus rücken. Unser Bestreben ist es, zur Nachhaltigkeit dieser Auseinandersetzung mit beizutragen. Dazu gehört auch, dass in der breiten Öffentlichkeit bekannt ist, welche Rolle die Reformatoren hier gespielt haben und welche wichtige Rolle Braunschweig für die Ausbreitung der Reformation gehabt hat. Die Förderung von Bildung und Erziehung sind Ankerpunkte in der Arbeit der Bürgerstiftung Braunschweig und so zeigt sich auch hier, wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verzahnt sind und so lässt sich sagen, dass wir mit unserem Förderschwerpunkt auch die frühe Arbeit Bugenhagens in Braunschweig weiter fortführen.“

Als Kirchenvorstandsvorsitzender sieht Michael Heinrich Schormann den engen Bezug: „Der Platz vor der Kapelle der Kirche St. Ulrici-Brüdern als Aufstellungsort würdigt den Anlass, auch im Kontext des diesjährigen Reformationsjubiläums, in besonderer Weise, da Bugenhagen während seiner Zeit in Braunschweig hier gepredigt hat und im Raum über der Kapelle die Kirchenordnung verfasste. Zudem befindet sich hier die Bronzeskulptur, die ihm und seiner Wirkungsstätte ein Andenken bereitet. Zusammen mit der Tafel ergibt sich ein gelungenes Gesamtensemble mit einer umfassenden Information.“

Johannes Bugenhagen: Leistung und Leben

Bugenhagen wurde zur Einführung der Reformation nach Braunschweig berufen. Seine umfassend erarbeitete Kirchenordnung, die am 5. September 1528 öffentlich verkündet wurde, regelte nicht nur Fragen der Kirchenorganisation und des Gottesdienstes, wie beispiels-weise Bestimmungen über die Aufgaben und Einkünfte von Predigern, den Ablauf von Gottesdiensten in deut-scher Sprache sowie Festlegungen zur Taufe, sondern betraf in gleicher Weise auch das Schul- und Fürsorge-wesen der Stadt.

Bugenhagen erkannte die Schulnot in den Städten und engagierte sich besonders für die Schulpflicht aller Kin-der, gleich welcher sozialen Schicht sie angehörten. Er verfasste Grundsätze über die Fähigkeiten und die Besoldung von Lehrern und stellte unter anderem Lehrpläne für die beiden damaligen städtischen Lateinschulen Mar-tineum und Katharineum auf.

Johannes Bugenhagen, Freund und enger Vertrauter Martin Luthers, schuf in Braunschweig eine völlig neue Grundlage für das evangelische Kirchenwesen. Durch seine zahlreichen Predigten, theologischen Vorlesungen und seelsorgerischen Gespräche trug er entscheidend zur Festigung des evangelischen Glaubens bei.

Als Sohn eines Ratsherrn wurde Bugenhagen am 24. Juni 1485 in Wollin in Pommern geboren. Nach seinem Studium in Greifswald wurde er zum Priester geweiht. Bei seinen theologischen Studien lernte Bugenhagen auch die Schriften Martin Luthers kennen und nahm Kontakt mit dem Reformator auf.

1521 ging Bugenhagen nach Wittenberg, wo er seine theologischen Ideen mit Luther und Melanchthon diskutierte. Darüber entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen den Männern. Auf Empfehlung Luthers übernahm Dr. Pomeranus, wie Bugenhagen genannt wurde, die Pfarrstelle an der Wittenberger Stadtkirche und hielt Vorlesungen an der Universität.

Aufgrund der praktischen Erfahrung in seiner Wittenberger Gemeinde bei der Umsetzung der Reformation und seines guten Rufes als Theologe bemühten sich mehrere Städte um Bugenhagen. Doch erst die Verhandlungen der Stadt Braunschweig mit der Wittenberger Universität, ihn zumindest zeitweise für die Erarbeitung einer umfassenden Kirchenordnung zu entsenden, waren erfolgreich. Am Himmelfahrtstag des Jahres 1528 (21. Mai) hielt Bugenhagen seine erste Predigt in der Brüdernkirche.

Bugenhagen erarbeitete eine Kirchenordnung, die nicht nur praktische Anweisungen für den Gottesdienst, die Riten und Sakramente gab, sondern auch die Ausbildung der Prediger, das Schulwesen und die Armenfürsorge im Sinne der Reformatoren regelte.

Am 5. September 1528 nahmen der Rat und die Bürgerschaft die neue Kirchenordnung an. Bugenhagen verlas sie vom Balkon des Altstadtrathauses, damit wurde in Braunschweig offiziell die Reformation eingeführt. Die Braunschweiger Kirchenordnung wurde zum Vorbild weiterer, von Bugenhagen erarbeiteten Ordnungen für andere Städte, darunter Hamburg, Lübeck, Hildesheim und mehrere skandinavische Städte.

Die Stadt Braunschweig hätte Bugenhagen gerne als Superintendenten weiter beschäftigt, doch der Reformator folgte einem Ruf nach Hamburg. Im Jahr 1529 kehrte Bugenhagen nochmals für kurze Zeit nach Braun-schweig zurück, um bestehende Differenzen innerhalb der Braunschweiger Geistlichkeit in Lehrfragen beizulegen. Ein drittes Mal weilte er 1542 in der Stadt, als er im Auftrag des Schmalkaldischen Bundes an der ersten Reformation des Herzogtums mitwirkte.

Am 20. April 1558 starb Johannes Bugenhagen in Wittenberg.

Die Braunschweiger Persönlichkeitstafeln

Im gesamten Stadtgebiet werden seit 2006 bedeutende Persönlichkeiten mit Persönlichkeitstafeln wieder in das Bewusstsein der Braunschweiger und der von auswärts Anreisenden gerückt. In der internationalen Kulturinformationsfarbe ‚braun’ signalisieren die Tafeln Bürgern und Besuchern der Stadt Braunschweig, dass es darauf Wissenswertes zu Baudenkmalen und zu Persönlichkeiten zu entdecken gibt. Die Tafeln sollen Interesse wecken, sich näher mit Leben und Werk dieser früheren Nachbarn zu beschäftigen und auf diesem Weg mehr über die Geschichte Braunschweigs und der Menschen, die Teil dieser Geschichte sind, zu erfahren. Mehr Informationen unter http://www.braunschweig.de/blik.

alle Nachrichten