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Stadtbahn nach Rautheim

Braunschweig, 15. Juni 2018 Stadt Braunschweig, Referat Kommunikation

 (Foto: Verkehrs-GmbH)

Etwa ein halbes Jahr war seit dem ersten Bürgerworkshop zur Planung der neuen Trassenführung nach Rautheim vergangen. Inzwischen war viel passiert. Engagierte Bürger hatten in einer weiteren Veranstaltung ihre Ideen für die geplante Stadtbahntrasse eingebracht, hatten Fragen gestellt sowie Lob und Kritik geäußert. Die Experten von Stadt und Verkehrs-GmbH hatten fachliche Bewertungen abgegeben, Voruntersuchungen angestellt und Nutzen-Kosten-Indikatoren berechnet. Als am Donnerstagabend im Congress Saal der Stadthalle über 100 Menschen die Beteiligungsrunde mit dem dritten und vorerst letzten Workshop zu der Rautheimer Trasse abschlossen, durften sie die drei besten der insgesamt sieben verbliebenen Streckenkombinationen bewerten. Am Ende stand unter den Anwesenden ein eindeutiges Meinungsbild.

 (Foto: Verkehrs-GmbH)

Geht es nach den Teilnehmern des letzten Workshops, so wird ab dem Jahr 2022 die Trassenkombination 1 realisiert. Rund 85 Prozent aller Teilnehmer bewerteten die Variante mit „gut“ oder „mittel“, nur 15 Prozent platzierten ihren Klebepunkt in der Kategorie „schlecht“. Bei dieser Trassenoption biegt die Bahn in Richtung Süden von der Helmstedter Straße am Autohaus Dürkop ab und quert in über einen Brückenneubau die Gleisanlagen der Deutschen Bahn bis zur Braunschweiger Straße. Anschließend fährt sie vorwiegend südlich dieser Straße Richtung Rautheim. Dort biegt sie vor dem Kreisverkehr abermals in südlicher Richtung ab und endet schließlich in der bereits freigehaltenen Trasse „Zur Wabe“ mit einer Wendeschleife.

Die Vorteile dieser Trassenkombination: Sie hat die größte Erschließungswirkung, verläuft relativ geradlinig und verschafft den Fahrgästen dadurch die kürzeste Fahrtzeit. Die Bahn kann auf dieser Strecke praktisch vollständig auf einem gesonderten Gleiskörper neben der Straße geführt werden und ist somit unabhängig vom Straßenverkehr. Neubaugebiete, das Gewerbegebiet am „Erzberg“, das nördliche Rautheim sowie die Schule im Stadtteil werden dabei mitbedient. Das alles überzeugte den Großteil der Bürger, so dass die Nachteile nicht so schwer wogen. Denn die Mastbruchsiedlung ist von dieser Trasse abgehängt. Den aufwändigen Brückenbau über die Gleisanlagen der Deutschen Bahn sehen dagegen viele Bürger als sinnvoll an, wenn dort gleichzeitig ein Rad-/Fußweg entlang der Trasse entsteht. Das würde die Wege mit dem Rad in die Innenstadt deutlich sicherer und attraktiver gestalten.

Bei den Bürgern weniger punkten konnte dagegen die Trassenkombination 2, die in Richtung Lindenberg einen anderen Verlauf nimmt als der Abstimmungssieger. Statt die Gleisanlagen der Bahn mittels einer neuen Brücke zu queren, fährt sie auf einer eigenen neu zu bauenden Brücke entlang der bestehenden Straßenbrücke Helmstedter Straße bis an den Rand der Mastbruchsiedlung und biegt schließlich südlich entlang der Rautheimer Straße ab. Zwar fährt die Bahn bei dieser Variante direkt am Neubaugebiet Heinrich der Löwe vorbei. Trotzdem ist die Erschließungswirkung insgesamt geringer als bei Trassenkombination 1. Und auch mögliche Konflikte mit dem Autoverkehr an der A39-Anschlussstelle beurteilten die Bürger skeptisch. Die Mehrheit der Bürger bewertete die Trassenkombination am Ende mittelmäßig, immerhin rund ein Drittel aber auch schlecht.

Abgeschlagen auf dem letzten Platz landete dagegen Trassenkombination 6, die im Bereich des Lindenbergs auf dem Möncheweg verläuft. Anders als die anderen Trassenvarianten kann diese nicht vollständig auf einem gesonderten Bahnkörper realisiert werden. Weitere Nachteile: Die Strecke ist kurviger und Heinrich-der-Löwe-Neubaugebiet, Erzberg, nördliches Rautheim sowie Rautheimer Schule werden nicht mit angebunden. Letztlich lehnten rund zwei Drittel der Workshop-Teilnehmer diesen Streckenverlauf ab.

„Ihr Votum wird in den Entscheidungsprozess mit einfließen“, erklärte Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. Die letzte Entscheidung, welche Trassenführung als künftige Planungsgrundlage diene, habe allerdings der Rat der Stadt. Das Gremium wird voraussichtlich im Herbst darüber abstimmen. „Dies ist erst der Anfang eines langen Planungsprozesses“, machte auch Klaus Benscheidt, Leiter des städtischen Fachbereichs Tiefbau und Verkehr, zum Abschluss deutlich. Der Bau der Trasse wird frühestens im Jahr 2022 beginnen. Viele Anregungen zu Themen wie Schallschutz, Park+Ride-Plätze, Haltestellen-Platzierungen oder die Verknüpfung mit dem Busverkehr nehmen die Planer mit in den weiteren Prozess.

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