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„Überräume“ von Lienhard von Monkiewitsch

Braunschweig, 24. Mai 2018 Stadt Braunschweig, Referat Kommunikation

Lienhard von Monkiewitsch, 2017  (Foto: Regine Seemann)
Lienhard von Monkiewitsch, 2017
(Foto: Regine Seemann)

Das Städtische Museum zeigt im Haus am Löwenwall vom 29. Mai bis 8. Juli die Ausstellung „ÜBERRÄUME. Lienhard von Monkiewitsch“. Die Ausstellung gibt einen Überblick zum Werk des 1941 in Steterburg (heute Salzgitter) geborenen Künstlers Lienhard von Monkiewitsch, der viele Jahre, auch als Professor an der HBK, die Braunschweiger Kunstlandschaft mitprägte. Arbeiten aus allen Phasen seines Schaffens veranschaulichen die Vielfältigkeit im Werk des Künstlers, der auf unterschiedlichen gedanklichen Ebenen mit dem Raum spielt. Es gibt ein Begleitprogramm mit Führungen und einem Vortrag.

Im weitläufigen Lichthof des Museums schafft von Monkiewitsch eine energiegeladene Gesamtkomposition von großformatigen Gemälden. Er errichtet sozusagen eine bildnerische Wandelhalle, die der realen Architektur der Halle mit einer faszinierenden Vielfalt von innerbildlichen Definitionen von Raum antwortet.

Neapel, 1980. Vulkanasche auf Leinwand, dreiteilig, 280 × 450 cm (Foto: Gerd Druwe und Ivano Polastri)
Neapel, 1980. Vulkanasche auf Leinwand, dreiteilig, 280 × 450 cm
(Foto: Gerd Druwe und Ivano Polastri)

Das zentrale Thema bei von Monkiewitsch sind seit Ende der 1960er-Jahre Raumdarstellungen auf der Fläche. Sie können sich durch eine perspektivische Konstruktion, durch die unterschiedliche Tiefenwirkung von Farbe, durch Interpretation vielgestaltiger Cut-Outs, durch transparente Schichtungen oder durch partielles Verwandeln malerischer Gestik ergeben. Anfangs lassen minutiös gezeichnete und gemalte Fußböden den Betrachter die nicht dargestellten Raumwände ergänzen. In der nächsten Phase suchen wuchtige, auf der weißen Wand wie schwebend erscheinende Architektur-Torsi ihren Auftrittsort im Kopf des Betrachters. In diesen Werken wird die perspektivische Konstruktion raumbildend, während in den 1980er-Jahren meist schwarze, bizarr beschnittene Flächen den Betrachter auffordern, sich eine plastische Gestalt vom Kantenverlauf her vorzustellen. Für diesen Zusammenhang sind besonders zwei Serien wichtig, die sich auf den russischen Suprematisten Kasimir Malewitsch beziehen.

In einer nächsten Werkgruppe untersucht der Künstler die räumliche Wirkung von Flächen tiefsten Schwarzes, meist Quadrate oder Rechtecke, deren weiche Randverwischungen einen ambivalenten Raumeindruck erzeugen. Mal meint man, den Blick in die Unendlichkeit des Alls zu empfinden, mal einen Ausschnitt desselben vor der Wand schwebend zu erleben.

o.T. (Schnitte 4), 2016. Dispersion und Pigment auf Karton, 100 × 70 cm (Foto: Lukas von Monkiewitsch)
o.T. (Schnitte 4), 2016. Dispersion und Pigment auf Karton, 100 × 70 cm
(Foto: Lukas von Monkiewitsch)

Eine wichtige Phase bildet die Auseinandersetzung mit den Fibonacci-Zahlen, nach denen von Monkiewitsch Bildkompositionen entwickelt, vor allem Quadrate entwirft. So greift er das Hauptmotiv von Malewitsch auf eine neue Weise auf. Eine ganze Reihe von Bildern lassen das Quadrat wie transparent hinter leuchtenden Farben durchscheinen, und deuten so an, dass hinter jedem gemalten Quadrat stets auch das berühmte Vorbild – das Quadrat Malewitschs – zu denken ist.

Drei Aspekte stehen im Fokus des Künstlers: Entstehen neue Bilder eher aus der Konstruktion, eher aus der Empfindung oder aus dem Zufall? Zu Letzterem entsteht schon Ende der 1980er-Jahre eine umfangreiche Werkreihe. Drei Formen, Parallelogramm, Quadrat und schlankes Rechteck, werden von verschiedenen Personen unkontrolliert ins Bildformat geworfen und anschließend ohne Korrektur vom Künstler malerisch ausgeführt. Faszinierend für ihn ist hier die Erscheinung des Einmaligen, des nicht Vorhersehbaren.

Seit 2016 untersucht Lienhard von Monkiewitsch unterschiedliche Ausdrucksformen gestischer Malerei, wobei er große Teile der Bildfläche mit schwarzem Pigment überzieht. Wie durch ein verbleibendes Fenster erlebt der Betrachter noch die ursprüngliche Farbigkeit, alles andere verschiebt sich nun auf eine andere Bildebene, erscheint farblich ausgelöscht und bändigt die Geste, die seit dem Studium des Künstlers immer wieder in seinem scheinbar strengen Werk auftaucht.

In seinen Werken spielt von Monkiewitsch mit dem realen Raum und lässt ihn zu einem Erlebnisraum der Phantasie werden. Dieser künstlerische Weg in die Freiheit der Vorstellung ist das Leitmotiv der Schau.

Zur Person:

Nach dem Studium der Kunstpädagogik von 1964 bis 1967 in Braunschweig an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) studierte Lienhard von Monkiewitsch von 1967 bis 1969 Malerei und Grafik bei Alfred Winter-Rust. Im Anschluss erhielt er 1969/70 das DAAD-Stipendium (Deutscher Akademischer Austauschdienst) für Paris. 1970 wurden ihm der Niedersächsische Förderpreis, 1971 der Preis Neues Forum Bremen, 1979 das Stipendium der Villa Massimo verliehen. Ab 1985 verbrachte Lienhard von Monkiewitsch längere Arbeitsaufenthalte in Los Angeles. Ausstellungen in New York, Los Angeles, Boston, London und Tokio folgten. 1986 wurde ihm das Niedersächsische Künstlerstipendium verliehen, 1997 der Kunstpreis der SPD-Fraktion des Niedersächsischen Landtages und 2005 der Deutscher Kritikerpreis in der Sparte Bildende Kunst. Zwischen 1972 und 1979 war von Monkiewitsch Lehrbeauftragter an der HBK in Braunschweig und dort von 1980 bis 2006 Professor für Malerei. Von 1999 bis 2004 war er Vizepräsident der Hochschule. Lienhard von Monkiewitsch ist Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und nimmt regelmäßig an dessen Jahresausstellungen teil. Er lebt und arbeitet in Braunschweig und Sardinien.

Veranstaltungen:

Künstlerführungen durch die Ausstellung mit Lienhard von Monkiewitsch
Samstag, 9. Juni, 15 Uhr (mit Günther Langer, Vorsitzender des Kunstvereins Wolfenbüttel)
Samstag, 23. Juni, 15 Uhr

Führungen durch die Ausstellung mit Sabine Wolfsbauer
Sonntag, 3. Juni, 15 Uhr
Sonntag, 17. Juni, 15 Uhr
Sonntag, 1. Juli, 15 Uhr

Vortrag des Kunstschriftstellers, Journalisten und Kurators Walter Vitt „Lienhard von Monkiewitsch - Begegnungen mit dem Künstler, mit dem Werk.“
Donnerstag 28. Juni, 17 Uhr

Informationen:

Städtisches Museum Braunschweig
Haus am Löwenwall
Steintorwall 14, 38100 Braunschweig
Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr
Tel.: (05 31) 4 70 45 21
E-Mail: staedtisches.museum@braunschweig.de
Internet: www.braunschweig.de/museum

Eintritt:

  • Erwachsene 5 Euro;
  • Ermäßigung (für Schüler, Studierende, Auszubildende, Menschen mit Behinderung, Rentner sowie Inhaber des „Braunschweig Passes“) 2,50 Euro;
  • Kinder von 6 bis 16 Jahre 2 Euro;
  • Schulklassen und Kinder bis 6 Jahre freier Eintritt.

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